Sprachzertifikate für Latein werden bei manchen Studiengängen vorausgesetzt. Sie haben Latein gelernt und wollen ihr Erlerntes durch eine Test unter Beweis stellen? Stellen Sie sich dazu folgende Fragen:
- Auf welchem Lateinlevel bin ich?
- Für welchen Zweck brauche ich das Latein-Sprachzertifikat?
- Wie hoch sind die Anforderungen an den Test?
- Bei welcher Organisation möchte ich den Lateinsprachtest machen?
- Geht es um ein Bestehen des Tests mit Zertifikat oder um eine konkrete Punktzahl, wo Durchfallen nicht möglich ist?
Um eine Vergleichbarkeit von Lateintests zu gewährleisten, haben wir für Sie eine grafische Einordnung aller Sprachtests vollzogen, sodass Sie schneller eine Orientierung haben und den für sich passenden Sprachkurs wählen können.
Warum steht Latein nicht im Europäischen Referenzrahmen?
Latein wird anders geprüft als jede lebende Sprache. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen beschreibt, was jemand in einer Sprache tun kann: sprechen, hören, verhandeln, telefonieren. Genau diese Fertigkeiten spielen im Lateinunterricht keine Rolle. Geprüft wird stattdessen eine einzige Kompetenz, nämlich das Übersetzen und Erschließen antiker Originaltexte.
Deshalb gibt es für Latein kein A1 und kein C1, sondern ein eigenes deutsches System aus Latinum, Kleinem Latinum und Großem Latinum. Grundlage ist eine Vereinbarung der Kultusministerkonferenz, umgesetzt in Verordnungen der einzelnen Bundesländer. Wer ein Latein-Zertifikat sucht, hat es also nicht mit einem internationalen Anbietermarkt zu tun, sondern mit Landesrecht.
Welche Latein-Abschlüsse gibt es?
| Abschluss | Erwerb über die Schule | Anforderung |
|---|---|---|
| Kleines Latinum | etwa vier Jahre aufsteigender Lateinunterricht | Übersetzung leichterer Originaltexte |
| Latinum | fünf Jahre in den meisten Bundesländern, vier Jahre in einigen | Übersetzung mittelschwerer Originaltexte, etwa Cicero oder Livius |
| Großes Latinum | sechs oder mehr Jahre, nicht in allen Ländern vorgesehen | Anspruchsvollere Originaltexte, teils Dichtung |
| Graecum | Altgriechisch, meist drei bis vier Jahre | Übersetzung griechischer Originaltexte |
| Hebraicum | überwiegend an Universitäten erworben | Biblisches Hebräisch, vor allem für Theologie |
Die Bezeichnungen und die geforderte Anzahl Unterrichtsjahre unterscheiden sich zwischen den Bundesländern erheblich. Was in einem Land als Latinum ausgewiesen wird, kann in einem anderen andere Voraussetzungen haben. Maßgeblich ist immer die Verordnung des Landes, in dem der Abschluss erworben wurde. Anerkannt werden die Abschlüsse anschließend bundesweit.
Wie holen Sie das Latinum nach?
Wenn das Latinum nicht auf dem Abiturzeugnis steht, führt der Weg über die Ergänzungsprüfung. Berechtigt ist grundsätzlich, wer ein Abiturzeugnis vorlegen kann, in vielen Ländern auch Studierende ohne Abitur mit entsprechender Hochschulzugangsberechtigung. Abgenommen wird die Prüfung von den Schulbehörden der Länder, teilweise auch von Universitäten.
- Zuständigkeit klären. Prüfen Sie zuerst, welche Behörde in Ihrem Bundesland die Ergänzungsprüfung abnimmt und welche Fristen gelten. Die Termine liegen meist ein- bis zweimal jährlich.
- Kurs wählen. Vorbereitungskurse bieten Universitäten, Volkshochschulen und private Anbieter an. Universitäre Intensivkurse führen typischerweise in zwei bis drei Semestern zum Latinum.
- Prüfungsanforderungen kennen. Verlangt werden Sicherheit in Formenlehre und Syntax, ausreichender Wortschatz sowie Grundkenntnisse in römischer Geschichte, Philosophie und Literatur.
- Prüfungsformat einüben. Die Prüfung besteht aus einem schriftlichen Teil, üblicherweise einer Übersetzung mit Wörterbuch, und einer mündlichen Prüfung.
Für welche Studiengänge brauchen Sie noch Latein?
Der Kreis ist kleiner geworden. Viele Hochschulen haben Lateinanforderungen in den vergangenen zwei Jahrzehnten gestrichen oder durch fachspezifische Sprachnachweise ersetzt. Weiterhin verlangt wird Latein vor allem dort, wo mit lateinischen Quellen gearbeitet wird.
- Klassische Philologie und Alte Geschichte: Latinum und meist auch Graecum, häufig als Zulassungsvoraussetzung
- Katholische und Evangelische Theologie: Latinum, Graecum und Hebraicum für das Vollstudium, teilweise mit Nachholfrist
- Lehramt Latein: Selbstverständlich Latinum, in der Regel zusätzlich Graecum
- Romanistik, Geschichte, Philosophie, Archäologie: Uneinheitlich. Manche Standorte verlangen das Latinum, andere nur Grundkenntnisse, wieder andere gar nichts
Prüfen Sie die Studien- und Prüfungsordnung Ihres konkreten Standorts, bevor Sie einen Vorbereitungskurs buchen. Die Unterschiede zwischen Universitäten desselben Bundeslandes sind teilweise größer als zwischen Bundesländern. Ein häufiger Fall: Das Latinum ist nicht Zulassungs-, sondern Prüfungsvoraussetzung und muss erst bis zum Abschluss vorliegen. Das verschafft mehrere Semester Zeit.
Wie ordnet sich Latein gegenüber lebenden Sprachen ein?
Ein direkter Vergleich mit den GER-Stufen ist nicht möglich, weil Latein keine kommunikative Prüfung kennt. Wer den Aufwand einschätzen will, kann sich am Unterrichtsumfang orientieren.
| Vergleichspunkt | Latein | Lebende Fremdsprache |
|---|---|---|
| Bewertungsmaßstab | Latinum, Kleines und Großes Latinum nach Landesrecht | Sechs GER-Stufen von A1 bis C2 |
| Geprüfte Fertigkeiten | Übersetzen und Erschließen von Originaltexten | Hören, Lesen, Sprechen, Schreiben |
| Umfang bis zum Abschluss | vier bis sechs Schuljahre oder zwei bis drei Semester im Intensivkurs | rund 375 Unterrichtsstunden bis B1 |
| Anerkennung | bundesweit, erworben nach Landesrecht | international über den Referenzrahmen |
Wie Zertifikate für lebende Sprachen aufgebaut sind, zeigt die Testübersicht von A bis Z. Die Anbieter dahinter finden Sie unter Testanbieter.
Häufige Fragen zu Latein-Nachweisen
- Gibt es ein Latein-Zertifikat nach GER-Niveaus?
- Nein. Der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen beschreibt kommunikative Fertigkeiten in lebenden Sprachen. Latein wird über Latinum, Kleines Latinum und Großes Latinum nachgewiesen, geregelt durch die Bundesländer auf Grundlage einer Vereinbarung der Kultusministerkonferenz.
- Wie lange dauert es, das Latinum nachzuholen?
- Universitäre Intensivkurse führen üblicherweise in zwei bis drei Semestern zur Ergänzungsprüfung, bei hoher wöchentlicher Stundenzahl. Berufsbegleitend an einer Volkshochschule dauert es entsprechend länger. Entscheidend ist weniger die Kursdauer als die tägliche Vokabel- und Formenarbeit.
- Ist das Latinum bundesweit anerkannt?
- Ja. Ein in einem Bundesland ordnungsgemäß erworbenes Latinum wird bundesweit anerkannt, auch wenn die Erwerbsvoraussetzungen zwischen den Ländern abweichen. Für die Ergänzungsprüfung selbst gilt dagegen das Recht des Landes, in dem Sie die Prüfung ablegen.
- Was ist der Unterschied zwischen Kleinem Latinum und Latinum?
- Beide unterscheiden sich in Umfang des Unterrichts und Schwierigkeit der Prüfungstexte. Für das Kleine Latinum genügen in der Regel vier Jahre aufsteigender Unterricht mit leichteren Originaltexten, für das Latinum sind es in den meisten Bundesländern fünf Jahre mit mittelschweren Texten. Studiengänge verlangen fast immer das Latinum, nicht das Kleine Latinum.
- Brauche ich Latein für Medizin oder Jura?
- Nein. Weder das Medizin- noch das Jurastudium setzt das Latinum voraus. In beiden Fächern kommen lateinische Fachbegriffe vor, die im Studium selbst vermittelt werden. Die verbreitete Annahme, Medizin erfordere Latein, stammt aus einer Zeit, in der Lateinkenntnisse allgemeine Zugangsvoraussetzung zur Universität waren.